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Qualitätskontrolle mit Vision AI

In der Fertigungsindustrie kosten Qualitätsmängel 3–5 % des Jahresumsatzes — durch Ausschuss, Nacharbeit, Reklamationen und Reputationsschäden. Menschliche Prüfer ermüden, sind subjektiv und können nicht 24/7 arbeiten. Vision AI ändert das.

Defect Detection in der Fertigung

Typische Defekte

Vision AI erkennt Fehler, die das menschliche Auge oft übersieht:

  • Oberflächendefekte: Kratzer, Dellen, Verfärbungen, Risse
  • Maßabweichungen: Falsche Dimensionen, Verzug, Asymmetrie
  • Montage-Fehler: Fehlende Teile, falsche Orientierung, lockere Verbindungen
  • Material-Defekte: Einschlüsse, Lunker, Porosität
  • Beschichtungs-Fehler: Blasen, Abblätterungen, ungleichmäßige Schichtdicke

Kamera-Setup

Die richtige Hardware ist entscheidend:

TechnikEinsatzVorteil
2D-KamerasOberflächen-InspektionGünstig, schnell
3D-KamerasDimensionsprüfungErkennt Höhen/Tiefen
InfrarotThermische DefekteSieht unter Oberflächen
HyperspektralMaterialanalyseErkennt chemische Unterschiede
Röntgen/CTInnere DefekteDurchleuchtet Material

Training mit wenig Daten

Defekte sind selten — manchmal nur 10–50 Bilder verfügbar. Lösungen:

  • Data Augmentation: Rotation, Spiegelung, Farbvariation, Crop
  • Synthetic Data: Defekte künstlich auf Gutteile rendern
  • Few-Shot Learning: Modelle, die mit wenigen Beispielen lernen (z. B. PatchCore)
  • Anomaly Detection: Nur "gut" trainieren — alles andere ist ein Defekt

ROI-Berechnung

Kosten einer Vision-AI-Lösung

Typische Investitionen für eine Produktionslinie:

  • Hardware: 15.000–50.000 € (Kameras, Beleuchtung, Edge-Computer)
  • Software: 20.000–80.000 € (Lizenz oder Eigenentwicklung)
  • Integration: 10.000–30.000 € (SPS-Anbindung, Datenanbindung)
  • Laufende Kosten: 5.000–15.000 €/Jahr (Wartung, Updates, Cloud)

Gesamt: 50.000–175.000 € für eine Linie — amortisiert sich typischerweise in 6–18 Monaten.

Einsparungen

  • Ausschussreduktion: 30–70 % weniger Defekte passieren Endkontrolle
  • Nacharbeitskosten: −50 % durch frühzeitige Fehlererkennung
  • Personalkosten: 1 Vision-System ersetzt 2–4 manuelle Prüfplätze (Schichtbetrieb)
  • Reklamationskosten: −40 % durch höhere Auslieferungsqualität
  • Stillstandszeiten: −20 % durch prädiktive Wartung (Defektmuster als Frühindikator für Maschinenprobleme)

Praxisbeispiel

Ein Automobilzulieferer mit 500.000 Teilen/Monat:

  • Vorher: 2,3 % Ausschussrate, 4 Prüfer pro Schicht, 180.000 €/Jahr Reklamationskosten
  • Nachher: 0,4 % Ausschussrate, 1 Prüfer pro Schicht (Überwachung), 45.000 €/Jahr Reklamationskosten
  • ROI: Investition 120.000 € — Einsparung 280.000 €/Jahr → Amortisation in 5 Monaten

Best Practices

  1. Beleuchtung ist 80 % des Erfolgs — investieren Sie mehr in Licht als in Kameras
  2. Golden Samples definieren: Referenzbilder für "gut" und jede Defektklasse
  3. Edge-First: Verarbeitung direkt an der Linie, nicht in der Cloud (Latenz!)
  4. Feedback-Loop: Prüfer validieren AI-Entscheidungen → Modell verbessert sich
  5. Start with the worst: Beginnen Sie mit der Linie mit der höchsten Ausschussrate

Realität: Vision AI ersetzt nicht den Qualitätsmanager — sie gibt ihm Röntgenaugen. Die AI findet die Defekte, der Mensch findet die Ursachen.