Wann Agents, wann Workflows?
Nicht jedes Problem braucht einen AI Agent. Manchmal ist ein klassischer Workflow — deterministisch, vorhersagbar, günstiger — die bessere Wahl. Das Entscheidungsframework in dieser Lektion hilft Ihnen, die richtige Architektur zu wählen.
Das Entscheidungsframework
Beantworten Sie vier Fragen, um die richtige Lösung zu finden:
Frage 1: Wie variabel ist der Input?
Gering (Formular, strukturierte Daten): → Workflow
Mittel (semi-strukturiert, einige Varianten): → Workflow mit LLM-Schritten
Hoch (Freitext, unvorhersehbare Formate): → Agent
Frage 2: Wie komplex ist die Entscheidungslogik?
If-then-Regeln ausreichend: → Workflow
Mehrere Faktoren abwägen, aber vorhersehbar: → Workflow mit LLM-Klassifikation
Kontext-abhängig, Ermessen nötig: → Agent
Frage 3: Wie viele Tools/Systeme sind involviert?
1–2 Systeme, feste Reihenfolge: → Workflow
3–5 Systeme, teils variable Reihenfolge: → Hybrid
5+ Systeme, dynamische Auswahl: → Agent
Frage 4: Wie kritisch ist Determinismus?
Exakt gleiches Ergebnis jedes Mal nötig: → Workflow
Ähnliches Ergebnis akzeptabel: → Agent mit Guardrails
Kreativität/Variation gewünscht: → Agent
Die Komplexitäts-Matrix
Einfache Logik Komplexe Logik Strukturierter Input ✅ Workflow ⚡ Workflow + LLM Unstrukturierter Input ⚡ LLM-Pipeline 🤖 Agent
Wann Workflows gewinnen
Workflows sind besser, wenn:
Compliance-Anforderungen exakte Reproduzierbarkeit verlangen
Kosten minimal sein müssen (kein LLM-API-Call nötig)
Latenz kritisch ist (Echtzeit-Verarbeitung)
Volumen sehr hoch ist (Millionen Events/Tag)
Der Prozess selten ändert und gut dokumentiert ist
Wann Agents gewinnen
Agents sind besser, wenn:
Inputs unvorhersehbar sind (natürliche Sprache, variable Formate)
Entscheidungen kontextabhängig sind (kein fester Regelbaum möglich)
Tool-Auswahl dynamisch sein muss (welches Tool wann einsetzen?)
Fehlerbehandlung kreativ sein muss (selbstständig alternative Wege finden)
Der Prozess häufig ändert und flexibel bleiben muss
Hybrid-Ansatz: Das Beste aus beiden Welten
In der Praxis 2026 ist die häufigste Architektur ein Hybrid:
Workflow-Backbone: Deterministische Schritte für Routing, Validierung, Logging
Agent-Nodes: LLM-basierte Entscheidungen an den Stellen, wo Flexibilität nötig ist
Human-in-the-Loop: Manuelle Prüfpunkte für kritische Entscheidungen
Praxis-Tipp: Modellieren Sie den Prozess zuerst als Workflow. Überall dort, wo Sie „kommt drauf an" schreiben, setzen Sie einen Agent-Node ein.
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Quiz Wann ist ein klassischer Workflow einem AI Agent vorzuziehen?
A) Wenn der Input unvorhersehbar ist B) Wenn Compliance exakte Reproduzierbarkeit verlangt C) Wenn dynamische Tool-Auswahl nötig ist D) Wenn der Prozess häufig ändert